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  • AutorenbildTine Lange

Malena DeMartini - 5 Fragen über Trennungsstress

Start Interview: Minute 3.30


Informationen zum Webinar mit Malena DeMartini am 16.11.23:

Zeit: 19-21 Uhr (90 Minuten Vortrag + 30 Minuten Fragerunde)


In diesem Webinar erfährst du:

  • wie Trennungsstress entsteht, wie er aussieht und wie du damit umgehst

  • welche wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 40 Jahre unser modernes Training bestimmen

  • wie Trainingspläne für Trennungsstress an individuelle Fälle angepasst werden

  • wie und warum Malena in ihren über 20 Jahren als Trainerin und Ausbilderin ihren Trainingsansatz bis heute weiterentwickelt hat

Übersetzung: Jede:r Teilnehmer:in erhält nach dem Webinar die Aufzeichnung mit deutschen Untertiteln und die übersetzten Vortragsfolien. Während des Webinars befinden sich auf den Folien Übersetzungen für die Schlüsselwörter. Fragen werden live von der Veranstalterin übersetzt.


Jede:r Teilnehmer:in erhält eine Teilnahmebestätigung.


Zielgruppe: Hundetrainer:innen und engagierte Hundehalter:innen

Kosten: 44 €

Ort: Online

Aufzeichnung: 12 Wochen Zugang zur Aufzeichnung

Anmeldung: tine@fairdogs.de


Frage 1: Welche Frage wird dir am häufigsten über Trennungsstress gestellt und wie lautet deine Antwort darauf?


Malena: Es gibt zwei Fragen. Eine von Hundehalter:innen und eine von Trainer:innen. Die meisten Hundehalter:innen wollen wissen: “Wie lange wird es dauern, bis ich meinen Hund entspannt allein zuhause lassen kann?” Und das ist die goldene Frage und wir hätten alle gern den Zauberspruch mit dem wir es so schnell wie möglich schaffen. Meine Antwort ist, dass das Training wahrscheinlich länger dauert, als du es dir wünschen würdest, aber nicht so lang, wie du vielleicht befürchtest. Man sollte eher mit Monaten rechnen, statt mit Wochen. Aber eben auch mit Monaten und nicht mit Jahren. Der Hund entscheidet das Trainingstempo und wir müssen auf den Hund hören, um das Training effektiv zu gestalten.


Die Trainer:innen wollen alle wissen: “Wie können wir Trennungsstress vorbeugen?”

Ich finde den Begriff “Vorbeugen” schwierig. Denn wir wissen ja nicht, was der konkrete Auslöser von Trennungsstress ist. Deshalb können wir auch nicht verhindern, dass er eintritt. Aber wir können unsere Hunde bestmöglich vorbereiten. Wir können ihnen zeigen, dass Alleinbleiben etwas sicheres und angenehmes ist. Aber Vorbeugen finde ich auch deshalb schwierig, weil es zu dem Schluss führen kann, dass du anscheinend etwas falsch gemacht hast, wenn dein Hund Trennungsstress hat. Und das stimmt so einfach nicht, denn es gibt ja auch genetische Faktoren, die einen Einfluss haben.


Es ist so wichtig Hunde jeden Alters langsam an das Alleinbleiben heranzuführen, sodass sie von Anfang an merken, dass Alleinbleiben heißen kann “Ach jetzt holt sie 15 Minuten lang einen Kaffee und das ist kein Problem für mich” und dann “Ach jetzt geht sie eine Stunde einkaufen und das ist kein Problem für mich” und irgendwann “Ach jetzt ist sie ein paar Stunden unterwegs für ihre Erledigungen”. So zeigen wir unserem Hund in kleinen Schritten, dass Alleinbleiben ok ist.


Trennungsstress ist evolutionär absolut sinnvoll und normal. Sie weinen, wenn ihre Mutter sich entfernt. Viele Hunde haben das Alleinbleiben einfach nicht in ihrem Tempo lernen dürfen und dann lassen wir sie auf einmal 8 Stunden täglich allein. Lasst uns also vorsichtig und kleinschrittig vorgehen!


Anmeldung für das Webinar mit Malena DeMartini am 16.11.23 unter tine@fairdogs.de


Frage 2 (Minute 8.40): Was ist für dich frustrierend beim Thema Trennungsstress?


Malena: Das ist schwer zu sagen, denn ich liebe alles an dem Thema. Was ich natürlich nicht schöne finde, ist, dass es Hunde gibt, die darunter leiden. Und wir müssen ihnen helfen. Wenn ich mir eine frustrierende Sache raussuchen muss, dann wäre es, dass Trennungsstress eine Phobie ist. Sie ist völlig irrational für diejenigen, die es nicht selbst empfinden, aber sehr real für diejenigen, die es erleben, in diesem Fall der Hund. Und weil es so irrational ist, denken die klassischen Hundehalter:innen, “Aber ich komme doch immer zurück. Warum verhält er sich so?” Und das verstehe ich, denn es ist eben irrational für uns, wenn Alleinbleiben mit so viel Angst verbunden ist. Und außerdem müssen wir daran denken, dass Angst umzulernen ein sehr systematischer Prozess ist für alle Tiere, auch Menschen. Und wir müssen den Lernenden das Tempo vorgeben lassen. Die Kriterien, die wir für das Training auswählen, sind genau abgestimmt auf dieses Individuum. Und weil es so eine starke Angst ist, müssen wir bedenken, dass Lernen nach bestimmten Regeln funktioniert und wir müssen uns an diese Regeln halten, um erfolgreich zu sein. Und das kann frustrierend sein, denn es fällt uns nicht leicht das zu verstehen.


Frage 3 (Minute 11.12): Was am Thema Trennungsstress macht dir Schmetterlinge im Bauch?


Malena: Das ist leicht. Wobei ich tagelang über all die Dinge sprechen könnte, die mir Schmetterlinge im Bauch machen im Bezug auf Trennungsstress. Mein Highlight ist jeder kleine Erfolg mit einem Team. Jeder kleine und große Erfolg macht mich einfach so glücklich. Ich hätte nie gedacht, dass so ein belohnendes Erlebnis ist, wenn man einen Hund allein zuhause eingekuschelt auf der Couch sieht, der früher Trennungsstress hatte. Was mich auch sehr glücklich macht, ist, wenn Menschen lernen die Körpersprache ihres Hundes zu lesen und sich um ihre Bedürfnisse kümmern. Bevor die Menschen mit dem Training beginnen, sagen sie, “Er hat Angst, sobald er weint.” Und dann zeigen wir ihnen, dass der Hund schon viel früher Angst hat. Dann zeigen wir ihnen, woran sie das erkennen können. Und wenn man es einmal gesehen hat, wird man es immer wiedererkennen. Dann sehen sie zum Beispiel auch, dass ihr Hund sich über die Schnauze leckt, wenn sie ihm die Krallen schneiden wollen. Und dann können sie die Körpersprache in allen Lebensbereichen lesen und sich um die Bedürfnisse des Hundes kümmern können.


Frage 4 (Minute 13.54): Was ist der größte Aha-Moment für Hundehalter:innen im Training?


Malena: Besonders am Anfang ist es eine besondere Erkenntnis, dass die Grenze für den Hund eine andere ist, als ihre Grenze. Für uns sind die großen und lauten Gefühle eine klare Grenze. Aber in diesem Moment ist der Hund schon lange über seine Grenze hinaus. Und im Training muss der Hund klar unter dieser Grenze bleiben können. Wenn wir mehr Stressanzeichen sehen, häufiger, lauter, intensiver, dann sollten wir sie nicht länger allein lassen. Und wir müssen Körpersprache und Verhalten unter der Grenze erkennen, um dem Hund wirklich zu helfen. Wir sehen das auch im Bereich Reaktivität. Der Mensch möchte nicht, dass der Hund bellt und in die Leine springt. Und darum kontaktieren sie uns. Aber wir schauen auf kleinere Hinweise auf Unwohlsein und Stress im Training. Und ich liebe diesen Moment, wenn die Menschen das mit uns gemeinsam identifizieren und beginnen im Tempo ihres Hundes zu arbeiten.

Manche Menschen machen sich dann große Sorgen darum, dass ihr Hund so leiden musst. Ich sage ihnen dann, dass ihr Hund nie wieder so leiden muss, weil wir es jetzt besser wissen.


Frage 5 (Minute 17.07): Was ist der größte Aha-Moment für Trainer:innen in deinem Programm für Trainer:innen?


Malena: Für die Trainer:innen ist es auch das Thema Grenzen (Anmerkung: Threshold wird hier mit Grenze übersetzt. Es beschreibt die emotionale Grenze des Hundes, ab der er keine ausreichend hilfreiche Strategie mehr hat, um mit einer herausfordernden Situation gut umzugehen). Am Anfang machen wir zum Beispiel eine Videoanalyse und fragen, was denkst du, ist die Grenze dieses Hundes. Und wenn wir dann den Kurs durchlaufen, sprechen wir genau dieses erste Video immer mal wieder an. Alle haben unterschiedliche Beschreibungen und Interpretationen für die individuelle Grenze des Hundes. Wir tauchen sehr tief in das Thema ein und sprechen viel über das Thema Grenzen. Denn viele denken immernoch, dass die Grenze eher da liegt, wo der Hund schon im Bereich Panik/Angst ist. Aber eigentlich sollten wir uns die Grenze da anschauen, wo der Hund negativ auf Ankündigungsreize reagiert. Aber es gibt auch noch die individuelle Wahrnehmung dieser Grenze. Und dazwischen befindet sich auch ein Spektrum, auf dem sich diese Grenze bewegt. Und das schauen wir uns genau an und nehmen diese Einzelteile auseinander und zeigen, wie wir das im Training umsetzen.

Die Trainer:innen, die am Programm teilnehmen, sind anfangs oft überrascht, dass Futter nicht die Antwort auf Trennungsstress ist, dass Einsperren nicht die Antwort auf Trennungsstress ist.

Einer der größten Lerneffekte ist die Umsetzung von Variabilität im Training. Wir Menschen mögen Muster und wollen dann von 30 auf 45 Sekunden steigern, dann 90 Sekunden und dann 3 Minuten. So machen wir das aber nicht. Wir müssen unbedingt Variabilität und Randomisierung und die Trainingsschritte einbauen.


Anmeldung für das Webinar mit Malena DeMartini am 16.11.23 unter tine@fairdogs.de


Bonufrage (Minute 21): Was würdest du deinem Ich vor 20 Jahren raten?


Malena: Vor 22 Jahren habe ich mit Hundetraining angefangen. Ich würde meinem Ich vor 20 jahren sagen: Hab keine Angst! Es hat 12 Jahre gedauert, in denen ich so viel Nachforschungen betrieben habe und hunderte Trennungsstressfälle hatte, bis ich endlich mein erstes Buch geschrieben habe. Ich hab die ganze Zeit beim Schreiben gezittert, weil ich nicht sicher war, ob jemand lesen will. Ich wünschte, ich könnte zurückgehen und mir sagen: Hab keine Angst! Es wird gut werden! Menschen werden dich beurteilen, egal ob es gut oder schlecht wird oder irgendwas dazwischen. Und das ist ok. Rückblickend ist natürlich alles gut gelaufen und ich habe mein zweites Buch veröffentlicht und wir haben über 200 zertifizierte Trennungsstress-Trainer:innen auf der ganzen Welt. Es ist also alles gut gegangen.


Abschiedsfrage: Was möchtest du den Hörer:innen noch mitgeben?


Malena: Danke! Ich möchte euch allen gern noch mitgeben, dass Trennungsstress gelöst werden kann. Das Thema ist so vielfältig für Hunde, Hundehalter:innen und Trainer:innen. Es ist zwar ein langsamer Prozess, aber es ist ein beachtlicher Prozess. Und es fühlt sich so toll an, wenn Hund und Mensch endlich eine gute Lösung für Trennungszeiten gefunden haben. Ich hoffe, dass ich viele von euch im Webinar sehen werde, um darüber zu sprechen, wie wir diesen Hunden helfen können!


Anmeldung für das Webinar mit Malena DeMartini am 16.11.23 unter tine@fairdogs.de


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